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Die Kammermusik von George Onslow scheint sich in letzter Zeit einer stetig wachsenden Beliebtheit zu erfreuen. Regelmäßig kommen Neuerscheinungen auf den Markt, die sich dem Schaffen des exzentrischen Aristokraten widmen. Auch das Ensemble Concertant Frankfurt legt nun beim MDG eine CD-Einspielung vor, die sich ausschließlich mit der Musik Onslows befasst. Gerne wurde Onslow von seinen Zeitgenossen als ‚französischer Beethoven’ gefeiert. Er hatte sich hauptsächlich der Kammermusik verschrieben und komponierte zu einer Zeit fast ausschließlich Instrumentalwerke, als in Frankreich und besonders in Paris die Oper das Maß aller Dinge war. Doch Onslow ließ sich von Modeerscheinungen nie wirklich beeinflussen, sondern suchte als finanziell unabhängiger Privatier seinen eigenen Weg. So verbrachte er den Großteil seines Lebens auf seinem Landgut in Clermont, wo er weitläufige Ländereien unterhielt und bewirtschaftete. Mit seinem musikalischen Talent sah er sich in der Tradition des gebildeten Gentleman, zu dessen Ausbildung ganz selbstverständlich neben der Jagd, Sprachen und Mathematik auch die Musik gehörte. Seine außergewöhnliche Begabung auf dem Klavier nutzte er nur selten bei von ihm organisierten Wohltätigkeitskonzerten, die er regelmäßig in seinem Heimatort abhielt. Nach einem Jagdunfall auf einem Ohr taub und von der Missachtung des Publikums schwer getroffen, verbrachte er seine letzten Jahre in zunehmender Depression und starb 1850 mit gerade einmal 66 Jahren. Bis in die heutige Zeit hat sich das Vorurteil gehalten, Onslow sei nur ein begabter Dilettant gewesen, dem als Beethoven-Epigone kein eigenständiger Platz im Konzertleben gebührt. Zum Glück gibt es aber in den letzten Jahren immer wieder Bestrebungen, diesen Missstand zu beheben und Onslow aus dem Schatten der Wiener Klassiker zu befreien. Denn seine Verdienste um die Kammermusik können nicht zu hoch eingeschätzt werden, so einfallsreich und stimmig ist sein Oeuvre. Das hier eingespielte Sextett op.30 ist dem österreichischen Komponisten Johann Nepomuk Hummel gewidmet. Zwar ist heute nicht mehr zu rekonstruieren, ob sich die beiden Musiker auch persönlich gekannt haben, aber anhand der großen stilistischen Ähnlichkeit ihrer Arbeiten kann man immerhin ablesen, dass Onslow offenbar Hummels Kompositionen sehr genau studiert hatte. Das Werk vereint zwei recht unterschiedliche Charaktere in sich. Zum einen ist es von seiner Anlage her sehr konzertant. Zum anderen trägt es klar kammermusikalische Züge. Sehr viel später entstand das Quintett op.79bis. Besonders bemerkenswert ist an dem Werk seine Instrumentierung mit Kontrabass, da diese Besetzungsform in der Geschichte der Gattung nur sehr selten vorkommt. Bekanntestes Beispiel dürfte Schuberts Forellenquintett sein, das sich aber von Onslows Werk schon allein dadurch unterscheidet, dass Onslow den Klavierpart auffallend virtuos hervorhebt, während dieser bei Schubert gleichberechtigt in das Ensemble eingebunden ist. Das Ensemble Concertant Frankfurt und der Pianist Gianluca Luisi gestalten in ihrer Interpretation der beiden Werke einen sehr unterhaltsamen und abwechslungsreichen Onslow, der immer wieder überraschen kann. Ihr Spiel scheint wie aus einem Guss und bereitet dadurch viel Freude beim Zuhören. Luisi nutzt seinen Part zu brillanten Höhenflügen, doch stellt er seine Mitstreiter dabei nie in den Schatten. Peter Agoston und Klaus Schwamm (beide Violine), Wolfgang Tluck (Viola), Sabine Krams (Cello) sowie Timm-Johannes Trappe (Kontrabass) spielen sich mit viel Esprit die Bälle zu und lassen dabei niemals Langeweile aufkommen: eine rundum gelungene Produktion!
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